Keine Technik-Frage

Ganztagsschulkongress: Qualität steht im Mittelpunkt

VON JANA SCHNEEBERG

18000 Ganztagsschulen gibt es in Deutschland, drei Millionen Schüler lernen dort. Die Zahlen zeigen: Die Aufbauarbeit läuft. Nun geht die Debatte tiefer. Beim 6. Bayerischen Ganztagsschulkongress, der gestern und heute im Forchheimer Herder-Gymnasium stattfindet, steht daher die Frage der Qualität im Mittelpunkt.

FORCHHEIM — Wenn es um das Thema Ganztagsschule geht, ist Forchheim ein Ort, an dem man nicht vorbei kommt. Seit 2008 sprechen Pädagogen, Wissenschaftler und Politiker beim Ganztagsschulkongress hier regelmäßig über ihre Visionen zum Thema — und haben dafür gesorgt, dass inzwischen nicht mehr nur über Ganztagsschule geredet wird, sondern das sie bereits vielerorts die Bildungslandschaftprägt. Motor des Ganzen ist der frühere Forchheimer Schulamtsdirektor Gerhard Koller, der mit dem Verein FOrsprung, dem Bildungsbüro des Landkreises, dem Schulamt, dem Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung sowie der Akademie für Ganztagspädagogik auch den diesjährigen Kongress organisiert hat.

Im Fokus steht dabei diesmal das Thema Qualität. In mehreren wissenschaftlichen Vorträgen, rund 30 Workshops und sechs praxisorientierten „Salons“ soll Ganztagsschule weiterentwickelt werden. Dass es dabei nicht nur um die räumliche und technische Ausstattung gehen darf, verdeutlichten zwei Impulsvorträge der Professoren Klaus Zierer und Ludwig Stecher. Beide machten das Thema Qualität vor allem am Bildungserfolgder Schüler fest.

Auf die Lehrer kommt es an

„Die Menschen machen die Ganztagsschule zu einer guten Schule“, so Klaus Zierer, der Erziehungswissenschaften an der Universität Augsburg lehrt. Strukturmerkmale wie die Gestaltung des Klassenzimmers, die Anzahl der Schüler oder die technischen Voraussetzungen seien zweitrangig. „Der Raum allein macht einen schlechten Unterricht nicht zu einem guten“, sagte Zierer. Doch wenn die Lehrperson die Möglichkeiten, die ihr der Raum bietet, zu nutzen wisse, sehe es schon ganz anders aus.

Dabei plädierte der Erziehungswissenschaftler auch für einen realistischen Umgang mit der Technik. „Viele glauben, wenn man nur genügend Technik in der Schule im Einsatz hat, dann wird das schon funktionieren.“ Doch haben Studien gezeigt: „Die handschriftliche Notiz ist lernwirksamer als das Mitschreiben auf dem Laptop.“ Letztlich forderte Zierer, dass jede Ganztagsschule sich mit der Vision ihrer Schule auseinander setze, diese immer wieder reflektiere und nachjustiere. Das bündele die Kräfte aller Beteiligten und sorge dafür, dass alle in die gleiche Richtung gehen. „DieSchulen, die wissen, was ihre Aufgabe ist, erweisen sich als erfolgreich.“ Dass die Qualitätsdebatte nicht beim Unterricht aufhören darf, sondern insbesondere für die freiwilligen Angebote am Nachmittag gelte, machte Ludwig Stecher, Professor an derUniversität Gießen, deutlich. „Im Unterricht können die Schüler nicht weglaufen, bei den Nachmittagsangeboten schon“, sagte er. Pädagogische Qualität, die den Schülern positive Erfahrungen ermögliche, sei hier daher ebenso wichtig.

Rund 350 Teilnehmer aus Bayern und den angrenzenden Bundesländern haben sich für den Ganztagsschulkongress im Forchheimer Herder-Gymnasium angemeldet. Neben Vorträgen in der Aula gibt es Workshops. Foto: Eduard Weigert